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GESCHICHTE DER SPIELDOSEN

jura region, summer

Jura Region (Sommer)

 

Der Genfer Uhrmacher Antoine Favre steht 1796 am Anfang von über zwei Jahrhunderten Traummechanik. Das Spielwerk, zunächst nur eine technische Spielerei, die in Uhren, Parfumflacons und Schmuckanhängern eingebaut wurde, brachte Sainte-Croix in der zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts Ruhm und Ehren. Dieser Industriezweig machte 10 % der gesamten nationalen Exporte aus und beglückte von Europa bis China die Grossen dieser Welt.

 

Edison und sein Phonograph, der erste Weltkrieg sowie die Krise am Ende der 20er Jahre waren schwere Schläge für dieses Handwerk, das beinahe verschwunden wäre. Die nach dem zweiten Weltkrieg in Europa stationierten amerikanischen Soldaten gaben den Spieluhr-Produkten eine zweite Jugend.

 

Im Jahre 1960 begann ein japanisches Unternehmen mit der Massenproduktion kleiner Spielwerke, später folgten chinesische Hersteller.

In der Folge mussten die meisten der zirka 30 Schweizer Hersteller die Produktion einstellen, da die Produktionskosten in Asien nur einen Bruchteil von jenen in der Schweiz ausmachen.

Dies hat für KundInnen leider auch zur Folge, dass es heute bedeutend weniger Melodien zur Auswahl gibt, da in Asien nur die profitabelsten Melodien (in grossen Stückzahlen) hergestellt werden.

 

ste-croix winter

Ste-Croix + Berner Alpen

 

Gegenwärtig ist Reuge das einzige Unternehmen der Welt, das eine komplette Palette von Spielwerken anbietet, von winzigen 17-Noten-Musikwerken (zur Verwendung in Musik-Taschenuhren) bis zu exquisiten Spieldosen mit Wechselwalzen, mit einem Tonumfang bis zu 144 Noten.

 

Mechanische Musik

 

Seit es Musikinstrumente gibt, versucht der Mensch, diese selbstspielend zu gestalten. Nicht die Freude an der technischen Spielerei,sondern das Bedürfnis der Menschen nach Musik war die Triebfeder für diese Entwicklung.

 

Die ältesten noch erhaltenen mechanischen Musikinstrumente sind die Glockenspiele in den Monumentaluhren des späten Mittelalters. In der Renaissance schufen Kunsthandwerker in Augsburg wertvolle Musikautomaten und selbstspielende Spinette, die über Stiftwalzen gesteuert wurden.

 

Im 18. Jahrhundert entstand die Flötenuhr, für die Haydn, Mozart und Beethoven Originalkompositionen schufen. Die Ansprüche an die technischen und musikalischen Möglichkeiten selbstspielender Instrumente stiegen ständig, und zu Beginn des 19. Jahrhunderts konstruierten sog. "Musikmaschinisten" wie Johann Nepomuk Mälzel ganze selbstspielende Orchester, die "Orchestrien".

 

Um die gleiche Zeit entstanden in der Schweiz die Spieldosen (auch Musikdosen oder Spieluhren genannt), bei denen die Stifte einer sich drehenden Messingwalze die Zähne eines Tonkamms anrissen und zum Klingen brachten. Im Zuge der Industrialisierung wurde es später möglich, preisgünstige und somit für jedermann erschwingliche Geräte herzustellen: Die über gelochte Pappscheiben gesteuerten Drehinstrumente "Ariston" und "Herophon" wurden zu Hunderttausenden verkauft. Sie wurden um 1890 von den Plattenspieldosen abgelöst, deren bekannteste Fabrikate "Polyphon", "Symphonion" und "Kalliope" waren.

 

Mit der Einführung der Pneumatik gegen Ende des 19. Jahrhunderts gelang es erstmals, selbstspielende Klaviere herzustellen, die eine befriedigende dynamische Abstufung erlaubten. Die über "Pedale" betriebenen "Phonolas" und "Pianolas" gehörten zu jeder gutbürgerlichen Einrichtung.

 

Für Gasthäuser und Tanzsäle wurden elektrische Klaviere und riesige pneumatische Orchestrien gebaut, und eine als achtes Weltwunder gepriesene selbstspielende Geige begeisterte die Musikliebhaber. Die um 1700 entstandene Handdrehorgel wurde zur klangstarken Karussell- und Tanzorgel weiterentwickelt.

 

1904 brachte die Firma Welte & Söhne den Klavierspielapparat "Mignon" auf den Markt, der es erstmals erlaubte, das Klavierspiel eines Pianisten mit allen dynamischen und agogischen Details wiederzugeben. Viele bedeutende Pianisten und Komponisten zu Beginn des Jahrhunderts, darunter Eugen d'Albert, Ferruccio Busoni, Ignaz Paderewski, Claude Debussy oder Richard Strauss, nutzten dieses Medium, um ihr Klavierspiel zu verbreiten bzw. die Interpretation eigener Werke für die Nachwelt zu erhalten. Seit den zwanziger Jahren erkannten auch Komponisten die "grenzenlosen" Möglichkeiten selbstspielender Klaviere: Strawinsky, Hindemith und Toch schufen von Hand unspielbare Originalkompositionen. Mit der Verbreitung von Grammophon und Rundfunk gerieten die mechanischen Musikinstrumente zunehmend in Vergessenheit. Die eigenwilligen Kompositionen des mexikanischen Einsiedlers Conlon Nancarrow führten jedoch zu einer Renaissance des Selbstspielklaviers, das heute wieder auf vielen Festivals für zeitgenössische Musik zu hören ist.

 

(Copyright des Texts "Mechanische Musik": GSM e.V.)

 

 

Geschichte der Singvögel

Rund zehn Jahre vor dem Entstehen der mechanischen Musik bauten die Hersteller komplizierter Pendeluhren, Jaquet-Droz in La-Chaux-de-Fonds, einen Singvogel-Automaten, dessen Spielwerk sie verkleinerten und in ihre anspruchsvollen Uhren einbauten. So entstand diese aussergewöhnliche Mechanik, die das Singen eines Vogels mit Hilfe eines Blasebalgs und einer Kolbenflöte wunderbar imitiert.

Im 19. Jahrhundert waren die Vogelkäfige in China sehr begehrt, und man sagt, die damaligen Herren hätten sie benutzt, um echte Vögel singen zu lehren. Zu dieser Zeit waren Singvögel-Wettbewerbe selbst in Europa üblich.

1960 hat Reuge die Fabrikation dieser Spezialität von zwei Unternehmen aus Frankreich und Deutschland übernommen, um die Prachtstücke dieser Tradition zu retten und Ihnen diese aussergewöhnliche Kunst anbieten zu können.