MUSIKWERK |
|||
|
musikwerk
|
FunktionsweiseDie Stifte der rotierenden Walze zupfen die Zähne des Kamms. Durch die schwingenden Zähne entstehen die Töne. Der Antrieb des Musikwerks erfolgt durch eine Stahlfeder, deren Spannung sich auf das Getriebe mit den diversen Zahnrädern überträgt. Dieses Getriebe bewegt auch die Walze und den Windflügel.
Informationen zu den verschiedenen Start-Mechanismen finden Sie auf der Seite "Reparatur".
Musikwerk Details
Unten im Bild, zwischen Zylinder und grossem Zahnrad, ist der Melodienwechsler sichtbar. Dieser Stahlstift ist meist an die Bodenplatte des Musikwerks angeschraubt. Wenn der Melodienwechsler abgeschraubt wird, wird das Musikwerk nicht mehr die Position des Zylinders zwischen zwei Melodien wechseln, und wird somit nur die momentan aktive Melodie spielen. Einige Spieldosen haben einen "change/repeat"-Schalter, welcher es erlaubt, entweder alle Melodien einer Walze zu hören (change), oder das Musikwerk auf die aktuelle Melodie zu fixieren (repeat).
Form und Komplexität von Regler-Teilen variieren stark. Einige moderne Reuge-Dosen haben einen kreisförmigen Windflügel, Cartels (siehe Seite "Klassifizierung") haben oft komplexe Windflügel.
Man kann ein Musikwerk, das mehr als eine Melodie spielt, an den Zähnen des Kamms erkennen. Musikwerke mit einer Melodie haben Zähne, die auf der ganzen Länge gleich breit sind. Bei Musikwerken mit mehreren Melodien sind die Zähne am Ende (nahe bei der Walze) schmäler, damit die Stifte (auf der Walze) der zurzeit NICHT spielenden Melodien zwischen den Zähnen durchlaufen, ohne diese zu berühren. Die Nummern auf dem Bild illustrieren, wo sich z.B. die erste (1), zweite (2) und dritte Melodie (3) eines Zylinders befindet, wenn die erste Melodie spielt. Nachdem die erste Melodie zu Ende gespielt hat, bewegt sich der Zylinder nach rechts (damit jetzt jeweils die Nummern 2 über den Zähnen stehen), und die zweite Melodie beginnt zu spielen. Das Gleiche geschieht bei der dritten Melodie. Nach der dritten Melodie springt der Zylinder zurück nach links in die ursprüngliche Position, und beginnt wieder mit der ersten Melodie.
Etappen der Anfertigung eines MusikwerksHerstellung der Bodenplatten (meist Messing): Die Bodenplatten werden mit numerisch bedienten Maschinen fabriziert. Stanzen: Mehrere Stanzmaschinen fabrizieren, aus verschiedenen Rohstoffen wie Messing oder Stahl, die mechanischen Teile des Musikwerks. Stimmkamm: Der Stimmkamm, aus Stahl, wird zuerst zugerichtet und dann gesägt (Zähne). Dazu werden Maschinen benutzt, die von der Firma Reuge entworfen, entwickelt und fabriziert worden sind. Danach wird der Stimmkamm erhitzt und in kaltes Öl eingetaucht, was einen thermischen Schock verursacht. Diese Operation wird noch zwei Mal wiederholt: ein erstes Mal (bei milderer Temperatur), damit er sich verhärtet, und ein zweites Mal (bei höherer Temperatur) damit er biegsam wird. Der Stimmkamm erhält dadurch seine richtige Härte und bestmögliche Klangfülle. Temperaturen und Dauer der Bäder sind Fabrikationsgeheimnisse, die dem Stimmkamm seine unvergleichliche Qualität geben. Blei wird dann unter jene Zähne gelötet, die die tiefen Töne erzeugen sollen. Danach wird der Stimmkamm abgestimmt: nur die notwendigen Noten werden ihm zugeteilt, nicht wie bei einem Klavier, wo alle Noten zur Verfügung stehen. Schlussendlich werden synthetische Federn unter jene Zähne geklebt, die tiefen Töne erzeugen sollen, um die Vibrationen zu dämpfen, und so einen perfekten Ton herzugeben. Früher wurden echte Hühnerfedern dazu benutzt. Die Walze (auch «Zylinder» genannt): Der Zylinder, aus Messing, wird von Maschinen gelöchert. Man nennt diese Etappe «piquage». Dann werden die Stiffte, Stahlfäden von 0.25mm Durchmesser, in die Löcher eingesetzt. Man nennt es «goupillage». Das, der Melodie entsprechende, Computerfile wird in die Maschinen eingegeben, und beinflusst so die Positionierungen der Stifte auf dem Zylinder. Früher wurden diese Etappen handgefertigt. Jeder Zylinder wird visuell kontrolliert: man prüft, ob alle Stifte da sind, und ob sie alle gerade eingesetzt sind. Mit einem kleinen Werkzeug namens «poussette» setzt man fehlende Stifte ein, oder richtet sie wieder gerade auf. Die bestifteten Zylinder werden dann mit Wachs gefüllt; ein anderes Fabikationsgeheimnis, was die Stifte aufrechterhält und die Klangqualität verbessert. Man setzt dann Stöpsel jeder Seite des Zylinders an, die durch eine Achse in seinem Inneren verbunden sind. Der Zylinder wird sich um diese Achse drehen. Schlussendlich werden die Stifte ausgeglichen («frisage» genannt), die auch automatisch gesteuert wird. Fixieren: Zum ersten Mal, während der gesamten Anfertigung des Musikwerks, kann man bei dieser Etappe die Melodie hören. Der «fixeur» setzt alle mechanischen Teile, die das Musikwerk bilden, auf der Montage dienenden Bodenplatte, zusammen. Während der letzten Etappe, wird der Stimmkamm so präzise fixiert, dass er sich genau gegenüber den Stiften befindet (nicht zu weit, und nicht zu nah entfernt). Hier wird auch die Qualität des fertigen Werkes kontrolliert. Man braucht dafür ein musikalisches Ohr und eine erstklassige Sicht.
|
Musikdosen-Begriffe
Aufzugsfeder: Die Stahlfeder, deren Spannung das Musikwerk antreibt. Bodenplatte: Die Basis, auf der die Komponenten des Musikwerks montiert sind. Die Bodenplatte wird meist mittels Schrauben in der Dose fixiert. Federgehäuse: Darin befindet sich die Aufzugsfeder und ein damit verbundenes Zahnrad, welches die Kraft der Feder an das Getriebe weiterleitet. Kamm: Eine Reihe von Zähnen, die die gewünschten Töne erzeugen. Man kann jeden dieser Zähne mit einer kleinen Stimmgabel vergleichen, die bei Vibration einen bestimmten Ton erzeugt. Dämpfer: Ein kleines Stück Papier, das auf die Unterseite von Zähnen des Kamms geleimt ist. Es unterbricht die Schwingung bei einem Zahn, bevor dieser erneut gezupft wird. Getriebe: Diese Reihe von Zahnrädern und Ritzeln leitet die Antriebskraft der Aufzugsfeder zum Windflügel und zur Walze. Regler (siehe auch Schnecke und Windflügel): Gewährleistet mittels Windflügel den gleichmässigen Ablauf der Melodie. Schlüssel: Wird benötigt, um die Aufzugsfeder wieder aufzuziehen, d.h. unter Spannung zu setzen. Schnecke: Sie ist das "Herz" des Regler-Mechanismus. Wie eine normale Schraube, aber mit einer Windung an beiden Enden. Der Windflügel ist am oberen Teil der Schnecke angebracht. Walzenlagerbock: Stützen an beiden Enden des Zylinders, die diesen festhalten. Windflügel: Dieses Teil ist fest an der Schnecke angebracht. Diese wiederum hat unten Kontakt mit einem Zahnrad des Getriebes. Wenn ein Musikwerk spielt, wird die Kraft der Feder bis zum Windflügel weitergeleitet. Der rotierende Windflügel (und somit das ganze Getriebe) wird durch den Luftwiderstand abgebremst. Dank dem Windflügel entlädt sich die starke Spannung der Aufzugsfeder nicht blitzartig, sondern langsam und kontrolliert. Zylinder (Walze): Die rotierende Rolle, auf der sich die Stifte befinden. Je länger eine Walze ist, desto mehr Noten kann sie normalerweise spielen. Je dicker sie ist, desto länger kann eine Melodie spielen, bevor sie sich wiederholt, da ein Lied üblicherweise eine Umdrehung vollzieht. (Es gibt jedoch Walzen, die 2 Lieder nacheinander montiert haben, d.h. die erste Hälfte einer Umdrehung spielt das erste Lied, die zweite Hälfte das zweite Lied.) |
|